Josh von Staudach: Das Neuner

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Flirrende Farben und vibrierendes Licht, geisterhafte Wesen in einer entrückten Umgebung:
Bildnerisches Nonett in 9 Schichten.


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schicke ein Mail an neuner@circulus.de


Das Mineralbad Berg in Stuttgart, aufgenommen am letzten Badetag 25.09.2016
(9 Motive je 9 Aufnahmen im Abstand von 1 Minute und 1 cm, überlagert mittels digitalen Interferenzen)
Weitere Informationen im Essay, sowie auf der: Kontaktseite.
Klicken Sie auf die Motive, um Vergrößerungen und Ausschnitte zu sehen.

Bild und Text © copyright 2016 by Josh von Staudach – Veröffentlichung erwünscht, Namensnennung erforderlich.
Wie kann Fotografie Vergänglichkeit einfangen?
Kann eine Momentaufnahme den Gang der Zeit vermitteln?
Was macht die besondere Stimmung eines Ortes aus?


Solche Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich eine fotografische Idee für den letzten Badetag im Neuner suchte. Ja, das Mineralbad Berg wird von vielen auch »Das Neuner« genannt, weil es 1856 von Friedrich Neuner gegründet wurde. Bestimmt bekam das Gebäude deshalb die Hausnummer 9, ganz klein hängt sie rechts oben am Eingang. Neun, meine Lieblingszahl. Vielleicht weil ich am 9.9. geboren bin? Genau, 9 Schichten sollen es werden!

Seit meiner Werkreihe »Die Stützen der Gesellschaft« ersinne ich Bildkonzepte gerne in Schichten. Bisher kamen die Einzelbilder dazu immer aus dem Ringsumblick eines Panoramas, wie z.B. bei meinen Werken zum Thema Wald oder jüngst in Kirchen. Die Erfahrungen aus diesen Arbeiten beantworteten mir aber nicht die eingangs erwähnten Fragen. Zeit und Bewegung sollten als Komponenten im Bild wahrnehmbar werden.

Meine Idee entwickelte Konturen: 9 Schichten aus 9 Aufnahmen in 9 Minuten. Nein, keine Langzeitbelichtungen, sondern 9 möglichst zufällige Momentaufnahmen, gesteuert von einem Timer. Weil sich die meisten Menschen im Bad nach einer Minute weiter bewegt haben, würde dies eine lasierende Ansammlung von geisterhaften Körpern ergeben. Und damit sich die Umgebung nicht klar abzeichnet, sondern die Details verschwimmen, würde ich die Kamera minimal weiter bewegen. Gut, dazu brauche ich ein Stativ und einen Makroschlitten, auf dem ich die Kamera quer montiere und sie so nach jeder Aufnahme um 1 Zentimeter verschieben kann. Alles klar. Badehose, Handtücher und Ausrüstung in den Rucksack, auf in die U-Bahn zum Neuner ...

Nach einem erfrischenden Bad im Berger Urquell (22°) ließ ich mich von der sommerlichen Spätsommerstimmung an die Orte im Gelände ziehen, die einen markanten Bildausschnitt boten und installierte die Kamera wie geplant. Natürlich traf ich auf etliche Freunde und Bekannte, die den letzten Badetag nutzten, es ergaben sich sinnige Gespräche über das Flair und die Besonderheiten des Neuner. So verging die Wartezeit zwischen den Aufnahmen wie im Flug, die Sonne sank und die Dämmerung rückte näher. Doch das sollte kein Nachteil sein, das Zwielicht ist mir eh eins der liebsten. Als um halb Acht das altbekannte Abschiedslied aus den knarzigen Lautsprechern ertönte, hatte ich meine gewünschten 9 Motive im Kasten und konnte mich wie die anderen verbliebenen Badegäste über die zweite und dritte Wiederholung von »Auf Wiedersehen« freuen.

Zurück zuhause machte ich mich sogleich ans Entwickeln der RAW-Daten und an die Überlagerung der Schichten. Ich hoffte ja auf Bestätigung, dass die Konzeptidee die gewünschte Wirkung erreichte. Sie tut es: Die Menschen zeigen sich schemenhaft, die Umgebung aus Natur und Architektur im Detail fein aber doch diffus, der Zeit entrückt. So schwingt in jedem Bild eine unbestimmte Zeitspanne mit, sie reicht so weit zurück, wie die Menschen das Bad besucht haben, wie sie es im Laufe der Monate und Jahre mit Leben gefüllt und ihre Geschichten hinterlassen haben. Die Patina auf Stein, Holz und Glas fügt weitere Schichten zur Zeitachse hinzu, sodass in jedem Bild ein anderer Aspekt der Historie des Neuners zum Ausdruck kommt. Diesmal entwickelt sich mein Panorama also nicht in die Breite, sondern in die Tiefe. Entfernt sich durch die 9fache Überlagerung vom Ausdruck der reinen Fotografie hinein in die Assoziationsgefilde der Malerei.

Foto: Ulrich Bernhardt
Kamera: Sony a7r – Objektiv: Zeiss Sonnar T* FE 2,8/35mm
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Unikat Edition: (Auflage 1)
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Übrigens: Am Donnerstag Abend vor der Schließung hatte ich Gelegenheit, einen virtuellen Rundgang zu fotografieren. Der bisherige Zustand des Mineralbad Berg ist also zumindest fotografisch in 360-Grad Rundumsichten konserviert.

Der Einstieg in den Rundgang erfolgt über Google Maps
http://maps.google.com/maps/place?cid=1433382311784793224

Anspieltipps:
Eingangsbereich und Kasse
Balkon Damenbereich
Kaltbadehalle
Übergang Halle zum Außenbecken
Brausen Männer
Ruheraum Männersauna
Schmale Holz-Umkleidekabine
Kiosk und Restaurant
Park im Flutlicht
Becken mit abgelassenem Wasser

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Links ins Netz:

Ein hochauflösendes 360-Grad Panorama auf Stuttgart360.de

Ein Nachruf auf Kessel.tv (runterscrollen)

Viele Interessante Infos und Hintergründe auf Wirtemberg.de (runterscrollen)